Kooperation mitteldeutscher Länder: Fortbildung und Erfahrungsaustausch für labortechnisches Personal 2014: Klassische Serologie

Foto der Teilnehmer der Fortbildung Labordiagnostik "Klassische Serologie"
Foto der Teilnehmer der Fortbildung Labordiagnostik "Klassische Serologie"

Im Rahmen der Kooperation mitteldeutschen Länder wurde vom Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz (TLV), von der Landesanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen (LUA) und vom Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt (LAV) am 12. und 13. Mai 2014 eine Fortbildungsveranstaltung für das labortechnische Personal zum Thema "Klassische Serologie" am LAV in Stendal durchgeführt.

Herr Dr. W. Gaede, Leiter (m.d.W.d.G.b.) des Fachbereiches Veterinärmedizin des Landesamtes für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt eröffnete die zweitägige Fortbildungsveranstaltung. Diese länderübergreifende Veranstaltung thematisierte in Form von Erfahrungsaustauschen an ausgewählten Labormethoden die Bedeutung, die Vielfalt und die Probleme der klassischen Serologie in der modernen Labordiagnostik, hinsichtlich Qualitätssicherung und Standardisierung, Biosicherheit, Befundinterpretation und veterinärrechtlichen Status. Von den auswärtigen Landesuntersuchungsämtern konnten 6 Mitarbeiter vom TLV Thüringen und 8 Mitarbeiter aus der LUA Sachsen als Teilnehmer und Gäste in Stendal begrüßt werden.

Das zweitägige Fortbildungsprogramm wurde von Herrn Dr. J. Borgwardt vom LAV Sachsen-Anhalt geleitet. Es beinhaltete einen Vortragsteil und einen laborpraktischen Teil. Am 1. Veranstaltungstag wurden fünf Fachvorträge gehalten. In einem Einführungsvortrag beschrieb Dr. J. Borgwardt die klassische Serologie an ausgesuchten Methodenbeispielen von der Definition, über die Methodenvielfalt, die Anwendungsmöglichkeiten und deren Grenzen sowie den veterinärrechtlichen Status von klassischen Testmethoden (Vortrag Borgwardt Serologie Einführung). Anschließend stellte Frau Fachtierärztin (FTÄ) Monika Liebert vom TLV Thüringen einen Vortrag zum Qualitätsmanagement bei klassischen serologischen Methoden vor. Einen besonderen Dank geht an Frau FTÄ Liebert für die Übernahme dieses wichtigen Vortragsthemas und für die vorgestellten Beispiele zu aktuellen Problemen der Qualitätssicherung in der täglichen Laborroutine. Als dritter Referent informierte Herr Dr. V. Herwig (LAV Sachsen-Anhalt) in einem sehr interessanten Vortrag über die Möglichkeiten der Hämagglutinations-Hemmungs-Reaktion am Beispiel der serologischen Influenza-Diagnostk. Von Dr. Borgwardt wurden zwei weitere Vorträge zur Serumschnell-Agglutination am Beispiel der aviären Mykoplasmose und zur Komplementbindungsreaktion am Beispiel der Brucellose-Diagnostik gehalten. Alle Teilnehmer an diese Veranstaltung sind in mikrobiologischen Untersuchungslaboren tätig, die dargestellten serologischen Testmethoden sind Bestandteil der routinierten Labordiagnostik in allen drei Landesuntersuchungseinrichtungen. Die in den fünf Vorträgen angesprochenen diagnostischen und organisatorischen Fragen sowie die Probleme bei der Bewältigung der täglichen Laboraufgaben sind vergleichbar und wurden dementsprechend diskutiert. Abends wurden die interessanten Diskussionen zum gesamten serologischen Tätigkeitsbereich in formloser und sehr gemütlicher Runde in der stendaler Traditionsgaststätte "Alte Schmiede" fortgesetzt.

Der labortechnische Teil fand am 13. Mai 2014 in Form eines Workshops mit vier Stationen statt:

  • Agargelimmundiffusions-Test (AGID) am Beispiel der Diagnostik der infektiösen Anämie der Pferde
  • Hämagglutinations-Hemmungsreaktion (HAH) am Beispiel der Diagnostik der porzinen Influenza
  • Mikroagglutinations-Reaktion (MAR) am Beispiel der Diagnostik der Leptospirose
  • Rose-Bengal-Test (RBT) am Beispiel der Diagnostik der Brucellose

Danach wurde sich in vielen kleinen Diskussions- und Demonstrationsrunden umfassend ausgetauscht über serologische, virologische und molekularbiologische Themen, bis hin zu Fragen und Problemen zur angewandten Labortechnik, zur aktuellen Laborsoftware und zur allgemeinen Organisation der Laboraufgaben. Fazit: Die Bedeutung, die Möglichkeiten und die Grenzen der klassischen Serologie innerhalb einer modernen und sich weiter spezialisierenden Labordiagnostik wurden dargestellt und lebhaft diskutiert. In der für unsere drei Landesuntersuchungsämter verbindlichen Methodensammlung des FLI nehmen die sogenannten klassischen Untersuchungsmethoden (IDT, SNT, SLA, MAR, HAH, HAD, SSA, KBR, DIFT) einen sehr breiten Raum ein. Die Vorteile dieser klassischen serologischen Testsysteme liegen in der Methodenvielfalt sowie in den Möglichkeiten der Einflussnahme auf den Testverlauf und auf die Befundinterpretation.

Im Vergleich zum ELISA als gegenwärtig am meisten eingesetzte serologische Labormethode sind bei den klassischen Testmethoden erhebliche Nachteile festzustellen:

  • Einschränkungen beim Qualitätsmanagement, besonders bei der Methodenvalidierung, Teststandardisierung und Ergebnisprotokollierung.
  • Hoher organisatorischer Aufwand mit Testvor- und Nachbereitung, Methodenpräsenz, Stammhaltungen und Bioarchive.
  • Eingeschränktes serologisches Untersuchungsspektrum im Laboralltag bei einem für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erforderlichen hohen Maß an Flexibilität, Spezialisierung und Erfahrung.

Übereinstimmend wurde von allen Teilnehmern vom TLV Thüringen, der LUA Sachsen und vom LAV Sachsen-Anhalt diese Fortbildungsveranstaltung als eine gelungene Form eines tatsächlichen und kreativen Erfahrungsaustausches eingeschätzt.

Dr. J. Borgwardt

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