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Informationen zur akuten Pasteurellose des Wildes und der Rinder (Hämorrhagische Septikämie)

Erreger und Krankheitsbild  
Die klassische primäre Pasteurellose (Hämorrhagische Septikämie) des Wildes und der Rinder ist eine akut bis perakut verlaufende Erkrankung, die überwiegend in tropischen und subtropischen Ländern, besonders während der Monsunzeit (hohe Luftfeuchtigkeit, hohe Temperaturen), beobachtet werden kann. Verursacht wird sie durch Pasteurella multocida (Kapselantigen-Serotypen B und E), einem gram-negativen Stäbchenbakterium. Betroffene Tierarten sind Rind, Büffel, Reh-, Rot-, Dam- und Schwarzwild, Schweine sowie Ren, Yak, Zebra, Bison, Dromedar, und Elefant. Die primäre Pasteurellose (Hämorrhagische Septikämie) muss von den in unseren Breiten sehr häufig in Zusammenhang mit der enzootischen Pneumonie bei Rind und Schwein vorkommenden Pasteurella-Infektionen unterschieden werden. Diese werden durch Pasteurella multocida Kapseltyp A bzw. Mannheimia haemolytica verursacht. Auch diese können zu akuten Ausbrüchen führen, bleiben dabei aber meist auf die betroffenen Bestände begrenzt und breiten sich nicht seuchenhaft aus.  

Die Hämorrhagischen Septikämie tritt in unterschiedlichen Verlaufsformen auf.  
 
Nach einer Inkubationszeit von 1 – 2 Tagen treten Symptome einer akuten Infektionskrankheit auf (Fieber, Mattigkeit, erhöhte Atemfrequenz, Verdauungsstörungen, Durchfall (z. T. blutig), Nasen– und Augenausfluss. Bei der akuten Form stehen ödematöse Veränderungen im Vordergrund. Entzündliche Ödeme sind am Kopf, in der Rachengegend, am Hals und Triel bis zu den Vorderbeinen, manchmal auch in der Scham– und Aftergegend lokalisiert. Als Folge der Schwellungen im Rachenbereich treten erschwertes Abschlucken, Atemnot und einen Zyanose der Zunge auf. Die Tiere verenden perakut durch Ersticken oder infolge einer Darmentzündung. Tragende Tiere können abortieren. Die pektorale Form geht mit Symptomen einer Bronchopneumonie einher. Oft tritt trockener, schmerzhafter Husten auf. Die Tiere verenden dann nach etwa 5 – 8 Tagen. Die chronische Form ist selten.    

In Gebieten, in denen diese Erkrankung lange nicht aufgetreten ist, sind die Krankheitsverläufe mit 100 % Morbidität und 70 - 90 % Mortalität besonders schwerwiegend.      

Übertragung und Verbreitung  
Erregerreservoir stellen Tiere dar, die den Erreger auf Nasen- und Rachenschleimhaut oder in Lymphknoten beherbergen ohne zu erkranken. Bei Stress, wie schlechten Haltungs- und Futterbedingungen, Hitze, Neuzukäufen, Transporten oder zu vielen Tieren auf zu engem Raum, beginnen die latent erkrankten Tiere den Erreger auszuscheiden ohne selbst Krankheitssymptome zu zeigen. Sie infizieren über Speichel, Kot, Urin und Milch, andere Tiere, die ihrerseits schwer erkranken und weitere Tiere infizieren können. 

Eine überstandene Erkrankung hinterlässt eine Immunität von etwa 6 - 12 Monaten.      

Diagnostik  
Die sicherste Diagnostik ist die pathologisch-anatomische Untersuchung frisch verendeter Tiere in Zusammenhang mit einer fundierten bakteriologischen Untersuchung. Als Material für die bakteriologische Untersuchung dienen vor allem veränderte Organe und ggf. Knochenmark.

Bei lebenden Tieren ist die Untersuchung von Nasentupfern möglich, die nach entsprechender Reinigung der Nasenvorhöfe mittels sterilem Tupfer entnommen werden. Die Tupferproben sollten anschließend in einem halbfesten Transportmedium gekühlt schnellstmöglich zur Untersuchung gelangen.

Von Tieren, bei denen bereits eine Septikämie vermutet wird, kann die Untersuchung einer gerinnungsgehemmten Blutprobe versucht werden.      

Bekämpfung und Biosicherheitsmaßnahmen  
Liegt eine Pasteurella multocida Typ B-Infektion vor, sollte für die erkrankten Tiere ein Quarantänestall eingerichtet werden, der von gesondertem Personal versorgt und betreut wird. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass Futter-, Tränke-, und Stallgeräte nur für den Quarantänestall benutzt werden und die Stallungen nur von den beauftragten Personen, unter Einhaltung des Schwarz-Weiß-Prinzips (Kleidungswechsel, Desinfektion) betreten werden.  

Die Tiere sollten anhand eines aktuellen Resistogramms zielgerichtet mit dem jeweils wirksamen Antibiotikum behandelt werden.  

In Territorien, in denen die Erkrankung bei Wildtieren aufgetreten ist, sollten Weiderinder aufgestallt werden. Gegenwärtig sind in Deutschland keine kommerziellen Impfstoffe gegen Typ B–Stämme zugelassen. Die Herstellung einer bestandsspezifischen Vakzine ist jedoch möglich.  

Rinder, die sich auf der Weide infiziert haben, sollten unverzüglich in einem Stall, in dem jeder Kontakt zu anderen Tieren unmöglich ist, aufgestallt werden. Es wir empfohlen, die von diesen Tieren genutzten Weideflächen für mindestens vier Wochen von der Beweidung auszunehmen. Die Tiere aus dem Quarantänestall sollten nach der Genesung nur zur direkten Schlachtung abgegeben werden.  

Der gesamte Bestand sollte noch weitere 14 Tage nach der Genesung, Schlachtung oder Tötung aller kranken und krankheitsverdächtigen Tiere täglich beobachtet werden. Wenn in dieser Zeit keine weiteren Erkrankungen auftreten, kann nach der Abschlussdesinfektion die Abgrenzung des Gesamtbestandes wieder aufgehoben werden.  

Wenn Reh-, Rot-, Dam- oder Schwarzwild erkranken, sollten, soweit es realisierbar ist, Futterplätze eingezäunt, Suhlen zugeschüttet und der Boden in der Umgebung umgegraben werden. Es ist ratsam, neue Wildfütterungen und Suhlen an anderer Stelle anzulegen und auch mit Frischwasser zu versorgen. Gefallenes Wild darf nicht vergraben werden und muss entweder zu einer diagnostischen Einrichtung verbracht oder über die Tierkörperbeseitigungsanlage beseitigt werden.  

Wenn nach sechs Monaten keine weiteren Todesfälle oder Erkrankungen aufgetreten sind, kann von einem Erlöschen der Krankheit ausgegangen werden.        

Gefährdungspotential für den Menschen  
Pasteurellen gelten nicht als Zoonose-Erreger im eigentlichen Sinn. Über Infektionen beim Menschen wird im Zusammenhang mit Wundinfektionen berichtet. Die Frage, ob bei einem akuten Geschehen in einem Rinderbestand eine Infektionsgefahr für den Menschen durch Tröpfcheninfektion besteht, kann nicht sicher beantwortet werden.

Wichtig in dem Zusammenhang ist die Beachtung grundsätzlicher hygienischer Maßnahmen beim Umgang mit infizierten oder infektionsverdächtigen Tieren. Bei Jägern stellt die unverletzte Haut eine wichtige Schutzbarriere dar.

Hinsichtlich der Nutzung von Wildtierkörpern für den Verzehr gilt, dass Tiere mit krankhaften Organveränderungen für den menschlichen Verzehr nicht geeignet sind. Bei Tieren aus Gebieten mit gehäuftem Vorkommen der Erkrankung ohne krankhafte Organveränderungen kann der Tierkörper in zubereiteter Form genutzt werden, die inneren Organe sollte man verwerfen.  

Stand: 08/2010

Ansprechpartner/in
Dr. Annette Schliephake
Tel: (03931) 631-492                
E-Mail: Annette.Schliephake(at)sachsen-anhalt.de
Dr. Benno Ewert
Tel: (03931) 631-461                                 
E-Mail: Benno.Ewert(at)sachsen-anhalt.de

Nächste Veranstaltungen ...
Am 23.10.2019 findet die Magdeburg die nächste Fortbildungsveranstaltung »Kinder- und Jugendzahnärztlicher Dienst« statt. Anmelde- und Programminfos entnehmen Sie bitte diesem Flyer.
 
Ankündigung des Fachbereiches Veterinärmedizin im Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt

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Wir freuen uns bereits jetzt auf ein Wiedersehen in Bernburg und auf eine interessante Veranstaltung!