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Erneutes Auftreten von West-Nil-Virus – Wie groß ist die Gefahr für Tiere und Menschen?

Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt – Presseinformation Nr. 062/2019
Halle, 08. Juli 2019

Bei einer verendeten Schneeeule aus dem Tierpark Wittenberg wurde vom Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt das West-Nil-Virus (WNV) nachgewiesen. Dieser Nachweis ist der erste in Deutschland im Jahr 2019 und wurde inzwischen vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bestätigt.

Vermutlich die hohen Temperaturen der letzten Wochen haben zu einem vergleichsweise frühen Erstnachweis von WNV in diesem Jahr in Deutschland geführt. Das ursprünglich aus Tropengebieten stammende Virus ist im August 2018 erstmals in Deutschland bei einem Bartkauz aus Sachsen-Anhalt nachgewiesen worden. Es ist eng verwandt mit dem Usutu-Virus, das ursächlich ist für das sog. "Amselsterben".Das WNV ist ein zoonotisches Virus, welches hauptsächlich Wildvögel (v. a. Rabenvögel, Greif- und Eulenvögel) infiziert, aber auch auf Pferde, Menschen und auch andere Tierarten übertragen werden kann. Auch Hausgeflügel kann erkranken.

Die Übertragung erfolgt in der Regel über blutsaugende Insekten wie Mücken und Zecken. Hauptüberträger sind in Deutschland die weit verbreiteten Culex-Arten, aber im Zuge der Klimaerwärmung auch Aedes-Spezies, wie beispielsweise die Tigermücke (Aedes aegypti). Somit ergibt sich der Infektionszyklus Vogel – Insekt – Vogel.

Dieser Infektionszyklus kann nur aufrechterhalten werden, wenn das Blut des infizierten Wirtstieres einen ausreichend hohen Virustiter im Blut ausbildet. Dies ist bei Pferden und Menschen sowie bei anderen sporadisch infizierten Tierarten nicht der Fall. Diese gelten daher als sogenannte Endwirte oder Fehlwirte ("dead-end-hosts"). Bei Pferden erkrankt nur ein geringer Prozentsatz mit Symptomen einer Enzephalitis oder Enzephalomyelitis, wie z.B. Ataxien, Gliedmaßenschwächen und weiteren Lähmungserscheinungen. Von den neurologisch betroffenen Tieren stirbt etwa ein Drittel an der Infektion. Als Schutz vor dieser anzeigepflichtigen Tierseuche sind aktuell nur für Pferde WNV-Impfstoffe verfügbar.

Bis heute wurde keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung von WNV dokumentiert. Eine Gefahr für den Menschen besteht also in erster Linie durch Insektenstiche oder bei Kontakt mit infizierten Tieren. Ein besonders beachtenswerter Fall war die Infektion eines Tierarztes in Bayern im Sommer 2018, nachdem er den an der Infektion mit WNV verendeten Bartkauz aus einem Tierpark seziert hatte. Der Tierarzt erkrankte mit grippe-ähnlichen Symptomen und konnte anschließend vollständig genesen. Das Vorliegen des West-Nil-Fiebers wurde bei ihm durch den blutserologischen Nachweis bestätigt.

Die überwiegende Zahl der Infektionen beim Menschen verläuft unauffällig oder mild. Etwa 20% der Infizierten entwickeln eine fieberhafte Erkrankung, die 3–6 Tage andauert. Vorherrschend sind dabei plötzlich einsetzendes Fieber und Symptome eines grippalen Infekts. Nur etwa jede 150. infizierte Person erkrankt schwerer. Ein wesentlicher  Risikofaktor ist das Alter der Erkrankten. Personen über 50 Jahre, sowie Immunsupprimierte haben ein höheres Risiko. Bei einem schweren Verlauf (West-Nil-Enzephalitis, -Meningitis, -Poliomyelitis) treten Symptome wie Kopfschmerzen, hohes Fieber, Nackensteifigkeit, Stupor, Desorientierung, Koma, Tremor, Krämpfe, Muskelschwäche und Paralyse auf.
 
Eine Schutzimpfung für Menschen gibt es nicht. Wie bei anderen durch Mücken oder Zecken übertragbaren Infektionen zählt zu den Schutzmaßnahmen u.a. die Vermeidung von Mücken- bzw. Zeckenstichen durch entsprechende Kleidung und Repellents, sowie die Reduzierung möglicher Brutstätten.

Der Nachweis einer Infektion erfolgt im Labor serologisch, durch Genomnachweis oder Virusanzucht. Der Verdacht oder der Nachweis einer Infektion beim Menschen unterliegen der Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz.

 

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