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FSME als Zufallsdiagnose bei Pferden in Sachsen-Anhalt

Landesamt für Verbraucherschutz - Presseinformation Nr. 21/2021
Halle, 1. Juni 2021

Zwischen September 2019 und Januar 2021 wurden in 29 Blutproben von Pferden aus Sachsen-Anhalt Antikörper-Titer gegen das FSME-Virus festgestellt.

Hintergrund

Im Jahr 2018 wurde das zuvor als exotisch geltende West-Nil-Virus (WNV) erstmals in Sachsen-Anhalt und damit in Deutschland als Erkrankungsursache bei fünf Vögeln und einem Pferd nachgewiesen. Im Jahr danach wurde mit einem Anstieg auf 15 WNV-Nachweise bei Vögeln (Deutschland gesamt: 76) und 19 Nachweise von akuten WNV-Infektionen bei Pferden (Deutschland gesamt: 36) offenbar, dass das WNV in Sachsen-Anhalt (Deutschland) geeignete Wirte und Überwinterungsmöglichkeiten vorgefunden hatte.

Eng verwandt mit dem WNV ist das in der Südhälfte Deutschlands weit verbreitete FSME-Virus (Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus). Beide Viren gehören zusammen mit dem Usutuvirus (USUV) und weiteren zur selben Gruppe von Viren (Genus Flavivirus in der Familie der Flaviviridae). Durch die enge Verwandtschaft der genannten Viren ist es mit dem im Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt (LAV) in der Routine eingesetzten Test (WNV-IgG-ELISA) nicht möglich, zwischen Antikörpern gegen WNV, USUV und FSME-Virus zu unterscheiden. Erst aufwendigere, kulturelle Tests (Serum-Neutralisations-Test, SNT), die am Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Loeffler-Institut, FLI) durchgeführt werden, können die spezifische Identität der Antikörper aufklären.

FSME-Antikörper bei Pferden aus Sachsen-Anhalt

Im Zeitraum vom September 2019 bis Januar 2021 wurden im Auftrag des LAV 87 Pferde-Blutproben aus Sachsen-Anhalt im FLI in diesen spezifischen SNTs untersucht. Hiervon bestätigten sich 56 Proben als WNV-Infektionen, in einer Probe wurden Antikörper gegen das USUV nachgewiesen, in einer weiteren Probe konnte die Identität der Antikörper nicht geklärt werden (WNV, USUV, FSMEV negativ).

In 29 Proben wurden Antikörper-Titer gegen das FSME-Virus festgestellt. Diese Proben stammten aus den Landkreisen Anhalt-Bitterfeld, Wittenberg, dem Salzlandkreis und der kreisfreien Stadt Halle (Saale).

Da es sich bei den untersuchten Proben um keine repräsentative Stichprobe handelt, sondern um Einsendungen im Zusammenhang mit einer WNV-Diagnostik, kann weder anhand der gefundenen Zahlen noch anhand der geographischen Herkunft der FSME-Antikörper-positiven Proben eine statistische Aussage über Verbreitung und Häufigkeit getroffen werden. Pferde sind wie alle Säugetiere empfänglich für das FSME-Virus. Sie erkranken in der Regel nicht oder nur mild, bilden aber Antikörper gegen das Virus aus. In einigen Fällen allerdings können Pferde (und etwas häufiger auch Hunde) schwerer und mit neurologischen Symptomen ähnlich wie bei einer WNV-Infektion erkranken. Differentialdiagnostisch sollte im Fall von zentralnervösen Störungen bei Haustieren daher auch an mögliche FSME-Virus-Infektionen gedacht werden. Die Proben, die sich hier als FSME-Antikörper positiv herausstellten, waren ohne einen klinischen Verdacht bei den Pferden entnommen worden.

Schlussfolgerungen

Bei der Weiterverbreitung des FSME-Virus spielen Pferde, Hunde und andere Haussäugetiere keine Rolle, da sie aus Sicht des Virus (genau wie bei einer WNV-Infektion) nur ein Zufallswirt sind. Zu beachten ist, dass Weidetiere, die zur Milchgewinnung gehalten werden, bei einer FSME-Virus-Infektion dieses Virus mit der Milch ausscheiden können. Bei der Erhitzung (z. B. Pasteurisierung) der Milch wird das Virus inaktiviert.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) weist auf der Basis einer bestimmten Inzidenz von FSME-Erkrankungen bei Menschen jährlich aktualisierte FSME-Risikogebiete in Deutschland aus (siehe Epidemiologisches Bulletin des RKI, 9|2021 vom 4. März 2021). Sachsen-Anhalt ist 2021 das erste Mal mit der kreisfreien Stadt Dessau-Roßlau als Risikogebiet genannt. Für die nicht als Risikogebiet eingestuften Regionen bedeutet dies allerdings nicht, dass keine mit dem FSME-Virus infizierten Zecken vorkommen. Dies wird anhand der vorgestellten Daten deutlich. Eine systematische Untersuchung von Weidetier-Blutproben könnte sehr gut dazu dienen, Informationen über die Verbreitung FSME-positiver Zecken zu erhalten.

Für weitere Informationen besuchen Sie uns im Verbraucherschutzportal unter

https://verbraucherschutz.sachsen-anhalt.de/