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Die bunte Welt der Fleischersatzprodukte

Landesamt für Verbraucherschutz - Presseinformation Nr. 6/2021
Halle, 12. März 2021

Im Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt werden neben einer Vielzahl anderer Lebensmittel auch Fleischersatzprodukte untersucht, um die Verbraucherinnen und Verbraucher unseres Landes vor Gefahren für ihre Gesundheit und irreführenden Angaben zu schützen. Dazu werden die Fleischersatzerzeugnisse auf ihre Zusammensetzung, Kennzeichnung und vor allem auf Anteile tierischer Zutaten untersucht. Auch die mikrobiologische Beschaffenheit, die Verwendung von gentechnisch erzeugten Zutaten oder die Zulässigkeit der verwendeten Zusatzstoffe werden hier geprüft. Im Jahr 2020 wurden 15 Fleischersatzprodukte untersucht, keines der geprüften Erzeugnisse war zu beanstanden.

Fleischlose Burger, vegetarische Schnitzel oder vegane Wurst sind keine Nischenprodukte mehr. Fleischersatzprodukte verzeichnen seit 2008 ein stetiges Umsatzplus von jährlich rund 30 %[1]. Neben dem generellen Trend zur vegetarischen oder veganen Ernährung bei den unter 39-Jährigen[2] trugen auch die Klimadebatte und nicht zuletzt die Diskussion über die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie dazu bei, dass sich immer mehr Menschen zu den Flexitariern, also der Verbrauchergruppe, die bewusst weniger Fleisch konsumiert, zählen.

Während wir beim Fleisch und den Fleischerzeugnissen einen weitestgehend einheitlichen Rohstoff vorliegen haben und die Regelungen zur Verwendung von Zusatzstoffen sehr detailliert europaweit festgelegt wurden, bieten die Fleischersatzprodukte eine sehr viel größere Vielfalt.

Gemeinsam ist allen Fleischersatzprodukten, dass sie eine Eiweiß-Komponente als strukturgebenden Grundstoff benötigen. Aber damit hört dann die Gemeinsamkeit oftmals auch auf. Der eine Hersteller setzt auf Sojaeiweiß ohne Gentechnik, der Nächste auf Weizeneiweiß, der Dritte schwört auf Lupineneiweiß aus kontrolliert ökologischem Anbau. Weit verbreitet sind auch Hühnerei-Eiweiß und Erbsen-Eiweiß. Hinzu kommen Produkte, bei denen Mischungen dieser Eiweiße verwendet werden. Während bei Erzeugnissen aus Soja der Anteil an Sojaeiweiß in Form von Tofu oftmals um die 80 % beträgt, finden sich bei Ersatzprodukten für Wurstaufschnitt oftmals geringere Mengen des Eiweiß-Grundstoffes (z.B. 10 % Hühnerei-Eiweiß). Weiterhin müssen die Verbraucherinnen und Verbraucher damit leben, dass in Fleischersatzprodukten eine Vielzahl von Zutaten zum Einsatz gelangen, die das Aussehen und den „Biss“ dieser Erzeugnisse in Richtung auf das Original verbessern sollen: Verdickungsmittel wie Johannisbrotkernmehl oder Xanthan sollen die Konsistenz und Bissfestigkeit verbessern, Farbstoffe wie Paprikaextrakt (E 160c) und färbende Lebensmittel wie rote Beete sollen den Ersatzprodukten eine den Fleischprodukten ähnliche Farbe verleihen.

Hinsichtlich der Bezeichnung und Aufmachung der Fleischersatzprodukte gab es vor einigen Jahren noch Unsicherheiten: Darf es eine vegetarische Bratwurst aus Weizeneiweiß oder ein Veggie Entenbrust-Filet aus Sojaeiweiß geben oder ist das für die Verbraucher irreführend? Hersteller, Verbraucher, Wissenschaft und Amtliche Lebensmittelüberwachung haben sich in der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission schließlich auf eine anerkannte Beschreibung der verkehrsüblichen Beschaffenheit und Aufmachung dieser Erzeugnisse geeinigt. Ende 2018 wurden schließlich die Leitsätze für vegane und vegetarische Lebensmittel mit Ähnlichkeit zu Lebensmitteln tierischen Ursprungs verkündet. Deren Einhaltung ist Bestandteil der Untersuchungen im Landesamt für Verbraucherschutz. (Link)

Weitere Informationen können Sie auch dem Jahresbericht zur Lebensmittelsicherheit 2019 entnehmen. Sie finden diesen und weitere Informationen im Verbraucherschutzportal unter

https://verbraucherschutz.sachsen-anhalt.de/ 


[1] Schmitt, Silke (2017): „Marktentwicklung: Preissenkung bleibt ohne Wirkung“, Lebensmittel Zeitung vom 24.3.2017

[2] Gesellschaft für Konsumforschung (GfK): Consumer Index 03, 2015