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Mückenplage nach dem Hochwasser – aktueller Handlungsbedarf?

(Stand: 11.07.2013)

In einigen Gebieten Sachsen-Anhalts ist es als Folge der extremen Regenfälle im Juni und durch das anschließende Hochwasser zu einer starken Vermehrung der Mückenpopulationen gekommen. Dies wird von Bewohnern, Helfern und Besuchern als eine große Belastung und Plage empfunden. Individuelle Schutzmaßnahmen vor und nach Mückenstichen sind mit jeweils verschiedenen Präparaten möglich, die in Drogerien und Apotheken frei verkauft werden. Eine großflächige Bekämpfung der fliegenden Mücken in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten ist nicht möglich. Eine großflächige Bekämpfung der gewässerlebenden Larven ist nicht notwendig, da diese inzwischen kaum noch vorhanden sind. Der nachfolgende Beitrag, der in enger Kooperation mit Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums erarbeitet wurde, soll dies erläutern und dabei auch ganz generell die Möglichkeiten, Grenzen und Perspektiven der Mückenbekämpfung aufzeigen:

  • Mücken sind Pionierorganismen, besiedeln neu entstehende Gewässer und kommen dann häufig in Massen vor. Nach der ersten massenhaften Besiedlung mit Mückenlarven (Abb. oben) besiedeln danach Feinde und natürliche Konkurrenten der Mücken die Gewässer. Dies sind Frösche, kleine Krebstiere wie Wasserflöhe (Abb. unten) und kleine Fische.
  • Die guten Bedingungen für die Mückenentwicklung bestehen in den ersten Wochen nach dem Hochwasser. Danach verdrängen die Feinde und Konkurrenten die Mücken. Die Mücken werden schneller verdrängt, wenn die Feinde und Konkurrenten Möglichkeiten haben, in die Mückengewässer einzuwandern. Dies ist an der Elbe passiert, da hier die natürlichen Feinde und Konkurrenten aus den Elbauen in die Überschwemmungsflächen gespült wurden.
  • Eine Bekämpfung durch das üblicherweise verwendete Mücken-Bekämpfungsmittel Bti (Bacillus thuringiensis israelensis) kommt nur in Frage, wenn sich die Mücken noch im frühen Larvenstadium befinden und das Mittel über ihre Nahrung auch aufnehmen können. Da dieser Zeitraum jetzt überschritten ist, kann eine eventuelle Bekämpfung keinen entsprechenden Erfolg bringen. Auf die fliegenden Mücken wirkt Bti nicht und außerdem werden diese in den nächsten Wochen auf natürlichem Weg sterben. 
  • Zum jetzigen Zeitpunkt hat eine Bekämpfung nur noch Nachteile und keinen Erfolg:
    • Die bereits vorhandenen Konkurrenten und Feinde könnten geschädigt werden.
    • Die flächendeckende Ausbringung des Bekämpfungsmittels mit Hubschraubern erfordert im Vorfeld eine genaue Analyse der Larvenentwicklung und eine exakte Kartierung der betroffenen Wasserflächen. Dies benötigt einen zeitlichen Vorlauf, das heißt, für die aktuelle Situation ist es zu spät.
  • Neben den individuellen Schutzmaßnahmen werden folgende Maßnahmen empfohlen:
    • Es sollten im Außenbereich alle Gefäße mit Wasser entleert und Regentonnen abgedeckt werden, da dies Brutstätten für Mücken sind.
    • Für die Zukunft kann das Mückenproblem durch die Anlage von Überschwemmungsflächen, die Deichbrüche verhindern, reduziert werden. In diesen Überschwemmungsflächen sollten bereits kleine Gewässer angelegt sein, die von vornherein natürliche Feinde und Konkurrenten von Mücken enthalten.

Zusammenfassung: Eine Bekämpfung der aktuellen Mückenplage ist nicht möglich und auch nicht notwendig. Individuelle Schutzmaßnahmen stehen gegenwärtig im Mittelpunkt.

Nächste Veranstaltungen ...

13. Stendaler Symposium

Das Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt, plant zusammen mit dem Bundesverband der beamteten Tierärzte e.V. das 13. Stendaler Symposium vom 26. – 28. März 2025.

Schwerpunkte sind Tierseuchen und Tierschutz beim Rind.  

Um entsprechende verbindliche Beitragsvorschläge (Vortrag und/oder Poster) einschließlich einer Kurzbeschreibung wird gebeten. Bitte senden Sie diese mit den Kontaktdaten des Verfassers bis zum 30. September 2024 an folgende E-Mail-Adresse:

LAV-Symposiumstendal(at)sachsen-anhalt.de

Da die Erfahrung eine hohe Zahl an Rückmeldungen erwarten lässt, kann möglicherweise nicht jeder Vortragswunsch berücksichtigt werden. Wir bitten um Verständnis.